Ratgeber

Palliativpflege: Was sie bedeutet und wer die Kosten trägt

Aktualisiert am 2. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten · Hospiz Christophorus

Palliativpflege ist die Pflege von Menschen, deren Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Sie richtet sich nicht gegen die Krankheit, sondern gegen das, was die Krankheit mit sich bringt: Schmerzen und Atemnot, Angst und Unruhe. Gemessen wird sie daran, wie sich ein Tag für den kranken Menschen anfühlt.

Palliativpflege: Bedeutung und Definition

Das Wort palliativ geht auf das lateinische „pallium“ zurück, den Mantel. Das Bild trifft es gut. Die Pflege legt sich schützend um einen Menschen, wenn Heilung nicht mehr das Ziel ist. Viele Angehörige hören das Wort zum ersten Mal in einem kurzen Satz im Arztgespräch und wissen danach nicht, was nun auf sie zukommt.

Palliativpflege: Definition der WHO

Die maßgebliche Definition stammt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2002. Danach ist Palliative Care ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien verbessert, wenn sie mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung leben müssen. Das geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühes Erkennen und sorgfältiges Behandeln von Schmerzen und anderen Beschwerden. Ausdrücklich nennt die WHO dabei auch psychosoziale und spirituelle Nöte.

Palliative Care ist der Oberbegriff. Die Palliativmedizin deckt den ärztlichen Teil ab, etwa die Schmerztherapie. Die Palliativpflege ist der Teil, der am Bett geschieht: lagern, den Mund befeuchten, Medikamente geben, beobachten, zuhören.

Fragen zur Aufnahme oder zu Spenden?

Sarah Golden, unsere Pflegedienstleitung, berät Sie persönlich zu einem Platz in unserem Hospiz. Und wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet auf unserer Spendenseite alle Möglichkeiten.

Was Palliativpflege umfasst

Waschen und Anziehen sind nur ein kleiner Teil davon. Im Kern geht es um vier Bereiche, die sich im Alltag ständig überschneiden:

Wie das konkret aussieht, bestimmt der kranke Mensch mit. Manche möchten jeden Tag Besuch, andere vor allem Ruhe. Gute Pflege richtet sich nach diesen Bedürfnissen und nicht nach einem starren Plan.

Orte der Palliativversorgung

Grundsätzlich kann ein Mensch dort palliativ versorgt werden, wo er lebt. Vier Orte sind üblich, und ein Wechsel zwischen ihnen ist möglich, wenn sich die Lage verändert.

Palliativpflege zu Hause mit AAPV und SAPV

Die meisten Menschen möchten ihre letzte Zeit in der vertrauten Umgebung verbringen. Für die Palliativpflege zu Hause gibt es zwei Stufen. Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) übernehmen Hausarzt und ambulanter Pflegedienst, solange die Symptome stabil und gut beherrschbar sind. Reicht das nicht mehr, etwa bei Schmerzen, die sich nicht einstellen lassen, kommt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) dazu.

Ein SAPV-Team besteht aus Palliativmedizinern und Pflegefachkräften mit Zusatzausbildung. Es ist Tag und Nacht erreichbar und kommt bei Krisen ins Haus. Angehörige erzählen oft, dass gerade diese Notfallnummer ihnen die Angst nimmt, nachts allein vor einer schweren Situation zu stehen. Ehrenamtliche ambulanter Hospizdienste ergänzen diese Unterstützung mit Gesprächen und Nachtwachen.

Im Pflegeheim

Auch wer im Pflegeheim lebt, hat Anspruch auf Palliativversorgung, bei hohem Bedarf auch auf SAPV. Das Heim arbeitet dafür mit Hausärzten und ambulanten Hospizdiensten zusammen. Ein Umzug ist deshalb nicht zwingend nötig, die Betreuung bleibt bei den vertrauten Pflegekräften.

Auf der Palliativstation

Die Palliativstation ist eine Abteilung im Krankenhaus. Sie nimmt Menschen auf, deren Beschwerden sich ambulant nicht mehr ausreichend lindern lassen. Ziel ist es, die Lage so weit zu stabilisieren, dass der Mensch wieder nach Hause oder in eine andere Einrichtung wechseln kann. Der Aufenthalt ist deshalb meist zeitlich begrenzt.

Im stationären Hospiz

Ein stationäres Hospiz nimmt Menschen in der letzten Lebensphase auf, die keine Krankenhausbehandlung mehr brauchen, zu Hause aber nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Hier stehen Linderung und Lebensqualität im Mittelpunkt des ganzen Tages. Das Hospiz Christophorus ist ein stationäres Hospiz im Saarland, mitten in Schmelz, mit zwölf Einzelzimmern.

Unsere Pflegekräfte haben meist eine Weiterbildung in Palliative Care. Eine Ärztin oder ein Arzt ist bei uns 24 Stunden am Tag erreichbar, die palliativmedizinische Versorgung läuft über das Gesundheitszentrum im selben Gebäude. Für Angehörige, die über Nacht bleiben möchten, gibt es ein Gästezimmer.

Einen Platz anfragen oder unser Hospiz unterstützen

Bei Fragen zur Aufnahme erreichen Sie Sarah Golden direkt. Und wenn Sie helfen möchten, kommt Ihre Spende genau dort an, wo Sie es für richtig halten.

Palliativpflege, Hospiz und Sterbebegleitung: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Palliativpflege ist eine Form der Pflege. Sie kann an jedem Ort stattfinden und über Monate oder Jahre gehen. Manchmal begleitet sie sogar eine laufende Therapie.

Das Hospiz ist ein Ort, an dem diese Pflege besonders umfassend geleistet wird. Dahinter steht eine Haltung, die auch die WHO beschreibt: Sterben gehört zum Leben und wird weder beschleunigt noch hinausgezögert. Was ein Hospiz genau leistet und welche Formen der Hospizarbeit es gibt, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Sterbebegleitung meint die Begleitung in der letzten Phase und im Sterben selbst. Sie leisten Pflegekräfte, Ehrenamtliche, Seelsorgerinnen und vor allem Angehörige. Mit aktiver Sterbehilfe hat sie nichts zu tun, und das gilt für die gesamte palliative Versorgung.

Wer Palliativpflege bekommt und wer das entscheidet

Anspruch hat, wer an einer nicht heilbaren, fortschreitenden Erkrankung leidet und deshalb Pflege braucht. Häufig sind das Krebserkrankungen, aber auch schwere Herz- oder Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen und eine fortgeschrittene Demenz.

Dass jemand palliativ ist, stellt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest. Für die SAPV braucht es eine Verordnung durch Vertragsarzt oder Krankenhausarzt, für die Aufnahme in ein Hospiz eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung. In unserem Haus kann Hospizleiter Josif Amam, Internist und Palliativmediziner, diese Bescheinigung direkt ausstellen. Ein zusätzlicher Behördenlauf entfällt.

Die eigentliche Entscheidung trifft der kranke Mensch selbst. Kann er sich nicht mehr äußern, zählt sein Wille, wie er etwa in einer Patientenverfügung steht. Palliativversorgung kann eine Behandlung der Grunderkrankung auch ergänzen, sie ersetzt sie nicht automatisch.

Palliativ heißt auch nicht, dass das Ende in wenigen Tagen kommt. Die Begleitung dauert manchmal Wochen, manchmal Monate oder Jahre. Auf der Palliativstation ist die Entlassung nach Hause ein erklärtes Ziel. Ein ehemaliger Gast unseres Hauses sagt in einem Video auf unserer Startseite: „Ein Hospiz muss nicht immer die letzte Station sein.“

Helfen Sie jetzt mit

Die Kosten eines Hospizplatzes tragen zu 95 Prozent die Kranken- und Pflegekassen. Die übrigen 5 Prozent müssen wir über Spenden decken. Jeder Betrag hilft, unseren Gästen Momente der Nähe, der Ruhe und der Geborgenheit zu schenken.

Palliativpflege: Kostenübernahme durch Kranken- und Pflegekasse

Für gesetzlich Versicherte trägt die Krankenkasse den größten Teil der Kosten. Liegt ein Pflegegrad vor, zahlt die Pflegekasse zusätzlich. Wer welchen Anteil übernimmt, hängt vom Ort der Versorgung ab.

Zu Hause

Die SAPV ist eine Leistung der Krankenkasse nach § 37b SGB V. Sie wird ärztlich verordnet und von der Kasse genehmigt, für Versicherte ist sie kostenfrei. Die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst läuft als häusliche Krankenpflege, hier können gesetzliche Zuzahlungen anfallen. Wer Pflegegeld bezieht, behält es. Übernimmt ein Pflegedienst Teile der Pflege als Sachleistung, wird es anteilig gekürzt, die SAPV dagegen verändert es nicht.

Im Pflegeheim und auf der Palliativstation

Im Pflegeheim zahlt die Krankenkasse die verordnete palliative Versorgung, die Pflegekasse die Pflege nach Pflegegrad. Unterkunft und Verpflegung bleiben wie bei jedem Heimaufenthalt Eigenanteil. Den Aufenthalt auf der Palliativstation trägt die Krankenkasse als Krankenhausbehandlung, mit den gesetzlichen Zuzahlungen.

Im stationären Hospiz

Nach § 39a SGB V trägt die Krankenkasse 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten, wobei die Leistungen der Pflegeversicherung angerechnet werden. Die übrigen fünf Prozent bringt das Hospiz selbst auf, meist über Spenden. Für Gäste entsteht kein Eigenanteil, auch bei uns nicht. Ausführlich zeigen wir in einem eigenen Beitrag, wie sich die Kosten eines Hospizaufenthalts verteilen. Wer privat versichert ist, klärt die Erstattung vorab mit der eigenen Versicherung. Worauf es dabei ankommt, erklären wir in einem Beitrag darüber, was privat Versicherte und Beamte mit Beihilfe beachten sollten.

Gut zu wissen

Beratung und ehrenamtliche Begleitung durch ambulante Hospizdienste kosten Sie nichts. Wer einen sterbenden Angehörigen begleitet, kann sich nach dem Pflegezeitgesetz bis zu drei Monate ganz oder teilweise freistellen lassen, sofern der Arbeitgeber regelmäßig mehr als 15 Beschäftigte hat.

So organisieren Sie Palliativpflege Schritt für Schritt

Am Anfang steht ein Gespräch, nicht ein Formular. Diese Schritte helfen beim Sortieren.

  1. Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen: Fragen Sie direkt, ob Hausarzt und Pflegedienst ausreichen oder ob eine SAPV sinnvoll ist. Die Verordnung stellt die Praxis oder die Klinik aus.
  2. Pflegegrad beantragen oder anpassen lassen: Der Antrag geht an die Pflegekasse. Hat sich der Zustand verschlechtert, lohnt sich ein Antrag auf Höherstufung.
  3. Beratung nutzen: Ihre Kasse und der Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe beraten kostenfrei. Adressen von SAPV-Teams und Palliativstationen finden Sie im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.
  4. Ambulanten Hospizdienst einbinden: Ehrenamtliche entlasten die Familie, etwa mit Nachtwachen oder einfach mit Zeit zum Durchatmen.
  5. Rechtzeitig über das Hospiz sprechen: Wenn die Versorgung zu Hause an Grenzen stößt, lohnt der Blick darauf, wann der Wechsel in ein Hospiz ansteht. Eine Anfrage bei uns stellen Sie über die Hospiz-Anmeldung oder telefonisch bei Sarah Golden, die unser Aufnahmemanagement leitet: 06887 / 900 76 20.

Sie müssen nicht alles auf einmal klären. Ein erster Anruf reicht, um anzufangen.

Häufige Fragen zur Palliativpflege

Nein, sie ist zum größten Teil eine Leistung der Krankenkasse. Das Pflegegeld der Pflegekasse kommt bei einem Pflegegrad ab 2 hinzu und wird durch die SAPV nicht gekürzt, nur Pflegesachleistungen eines Pflegedienstes verringern es anteilig.

So lange, wie sie gebraucht wird. Manche Menschen werden über Wochen begleitet, andere über Monate oder Jahre. Im stationären Hospiz dauert der Aufenthalt, solange die Versorgung notwendig ist und ärztlich bestätigt wird.

Nein. Palliativ bedeutet, dass eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, nicht, dass der Tod unmittelbar bevorsteht. Palliativpflege kann eine laufende Therapie begleiten, und von der Palliativstation werden Menschen auch wieder nach Hause entlassen.

Sobald eine nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung vorliegt und zu Hause Hilfe nötig ist. Hausarzt und Pflegedienst übernehmen die allgemeine Palliativversorgung, bei schweren Beschwerden verordnet die Ärztin oder der Arzt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), die die Krankenkasse vorher genehmigt.

Die medizinische Einschätzung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Über die Palliativversorgung selbst entscheidet der kranke Mensch, und wenn er sich nicht mehr äußern kann, gilt sein in einer Patientenverfügung festgehaltener oder mutmaßlicher Wille.

Palliativpflege bedeutet Pflege für Menschen, deren Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Sie bekämpft nicht die Krankheit, sondern lindert Beschwerden wie Schmerzen und Atemnot und schützt so die Lebensqualität. Sie bezieht die Angehörigen mit ein und kann an fast jedem Ort stattfinden, auch zu Hause.

Hospiz Christophorus in Schmelz

Über den Herausgeber

Hospiz Christophorus

Stationäres Hospiz in Schmelz · gemeinnützig und privat geführt

Jeder Tag, jede Stunde unseres Lebens ist kostbar. In unserem Hospiz in Schmelz schaffen wir Raum für Nähe, Ruhe und Geborgenheit, für gute Gespräche, vertraute Gewohnheiten und die kleinen Freuden des Alltags. Pflegefachkräfte, Palliativmediziner und Ehrenamtliche sind für unsere Gäste und ihre Angehörigen da, damit jeder Tag so erlebt werden kann, wie es sich unsere Gäste wünschen. Mehr über uns

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