Ratgeber
Wann Hospiz? Voraussetzungen für die Aufnahme und wie lange man bleibt
Aktualisiert am 2. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten · Hospiz Christophorus
Ein Hospiz ist der richtige Ort, wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist und die verbleibende Lebenszeit eher in Wochen als in Jahren gemessen wird. Fast immer gibt es außerdem einen ganz praktischen Grund: Zu Hause lässt sich die Pflege nicht mehr so leisten, wie der kranke Mensch sie braucht.
Inhalt dieses Beitrags
- Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Hospiz?
- Hospiz-Voraussetzungen: Wer kommt ins Hospiz?
- Bei welchen Krankheiten kommt man ins Hospiz?
- Hospiz-Aufnahme: So kommen Sie zu einem Hospizplatz
- Hospiz: Wie lange darf man im Hospiz bleiben?
- Was Angehörige jetzt tun können
- Kosten, Hospizformen und Ihr Kontakt zu uns
- Häufige Fragen zur Hospiz-Aufnahme
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Hospiz?
Wer die Frage „Wann Hospiz?“ stellt, steht meist an genau dieser Stelle. Die Therapie ist beendet, und im Krankenhaus ist das Wort Hospiz zum ersten Mal gefallen. In Foren für Angehörige von Krebspatienten liest man dann oft dieselbe Sorge: Bedeutet Hospiz, dass jemand bald stirbt? Es ist für die letzte Lebensphase gedacht, aber nicht nur für die letzten Stunden. Wer früher kommt, hat mehr von der Ruhe und von einer gut eingestellten Schmerztherapie.
Bei uns im Hospiz Schmelz im Saarland liegt der Blick auf der Lebensqualität jetzt, nicht auf dem Ende. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, entscheiden Sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten. Wir helfen Ihnen bei dieser Einschätzung, auch wenn noch gar nichts feststeht.
Fragen zur Aufnahme oder zu Spenden?
Sarah Golden, unsere Pflegedienstleitung, berät Sie persönlich zu einem Platz in unserem Hospiz. Und wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet auf unserer Spendenseite alle Möglichkeiten.
Hospiz-Voraussetzungen: Wer kommt ins Hospiz?
Ins Hospiz kommt, wer unheilbar krank ist und eine begrenzte Lebenserwartung hat, aber kein Krankenhaus mehr braucht. Die gesetzliche Grundlage ist § 39a SGB V. Danach haben Versicherte Anspruch auf stationäre Hospizversorgung, wenn sie keiner Krankenhausbehandlung bedürfen und eine ambulante Versorgung im Haushalt oder in der Familie nicht erbracht werden kann. Die Rahmenvereinbarung zwischen den Krankenkassen und den Hospizverbänden beschreibt die Hospiz-Aufnahmekriterien genauer:
- Unheilbare Erkrankung: Die Krankheit ist weit fortgeschritten und schreitet weiter fort, eine Heilung ist nicht mehr zu erwarten.
- Begrenzte Lebenserwartung: Ärztlich ist absehbar, dass die verbleibende Zeit Wochen bis wenige Monate beträgt, manchmal auch nur Tage.
- Kein Krankenhaus nötig: Eine Behandlung im Krankenhaus ist nicht mehr erforderlich oder wird nicht mehr gewünscht.
- Zu Hause reicht es nicht: Der Bedarf an palliativer Pflege geht über das hinaus, was Angehörige und ambulante Dienste leisten können.
- Eigener Wunsch: Der kranke Mensch möchte selbst dorthin. Ohne seine Zustimmung gibt es keine Aufnahme.
- Ärztliche Bestätigung: Ein Arzt bescheinigt, dass die stationäre Hospizversorgung notwendig ist.
Herkunft, Alter, Religion oder soziale Stellung spielen dabei keine Rolle. Unser Haus ist nicht konfessionell gebunden, Seelsorger aller Religionen kommen auf Wunsch der Gäste.
Bei welchen Krankheiten kommt man ins Hospiz?
Krebs ist das Krankheitsbild, das diese Vereinbarung an erster Stelle nennt. Dazu kommen das Vollbild der Infektionskrankheit AIDS, fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems wie ALS sowie chronische Nieren-, Herz-, Verdauungstrakt- oder Lungenerkrankungen in einem weit fortgeschrittenen Stadium.
Die Diagnose allein entscheidet aber nicht. Zwei Menschen mit derselben Krebserkrankung können an ganz verschiedenen Punkten stehen. Ausschlaggebend ist, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist und wie viel palliative Hilfe jemand braucht, etwa bei Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder großer innerer Unruhe.
Wenn Sie unsicher sind, ob die Erkrankung Ihres Angehörigen dazu passt, fragen Sie den Hausarzt oder rufen Sie uns an. Das Gespräch verpflichtet zu nichts.
Einen Platz anfragen oder unser Hospiz unterstützen
Bei Fragen zur Aufnahme erreichen Sie Sarah Golden direkt. Und wenn Sie helfen möchten, kommt Ihre Spende genau dort an, wo Sie es für richtig halten.
Hospiz-Aufnahme: So kommen Sie zu einem Hospizplatz
Der Weg ins Hospiz führt über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung und eine Anmeldung. Beim Antrag an die Kasse helfen der Sozialdienst der Klinik oder wir als Hospiz. In fünf Schritten sieht das so aus:
- Ärztliches Gespräch: Hausarzt oder Klinikarzt prüfen, ob die Kriterien erfüllt sind. Bei uns kann Hospizleiter Josif Amam, Internist und Palliativmediziner, die Bescheinigung auch selbst ausstellen.
- Notwendigkeitsbescheinigung: Auf dem Formular stehen Diagnose, Stadium der Erkrankung, bisherige Behandlung und der konkrete Hilfebedarf. Vermerkt wird auch, ob Angehörige die Versorgung leisten können.
- Anmeldung bei uns: Das geht online, getrennt für Privatpersonen und professionelle Anmelder wie Sozialdienste. Alternativ schicken Sie Anmeldeformular und Bescheinigung per Fax an 06887 / 900 76 19.
- Antrag bei der Kasse: Mit der Bescheinigung wird die Kostenübernahme bei Kranken- und Pflegekasse beantragt. Die Genehmigung liegt meist nach kurzer Zeit vor.
- Einzug: Sobald ein Zimmer frei ist, stimmen wir den Termin mit Ihnen und den behandelnden Ärzten ab. Vorher können Sie das Haus gern kennenlernen.
Wie schnell man einen Platz bekommt, kann niemand vorhersagen. Stationäre Hospize sind klein: Laut Deutschem Hospiz- und Palliativverband teilen sich rund 270 Häuser für Erwachsene etwa 2.700 Betten, unser Haus hat 12 Einzelzimmer. Niemand weiß im Voraus, wann ein Zimmer frei wird. Deshalb gibt es Wartezeiten, und eine frühe Anmeldung lohnt sich. Sie verpflichtet zu nichts.
Manchmal muss es schnell gehen, weil die Entlassung aus der Klinik ansteht oder die Lage zu Hause kippt. Für Notfälle und Akutaufnahmen erreichen Sie uns unter 06887 / 900 76 12. Weil bei uns Tag und Nacht ein Arzt erreichbar ist und die Bescheinigung im Haus ausgestellt werden kann, entfällt ein zusätzlicher Behördenlauf.
Hospiz: Wie lange darf man im Hospiz bleiben?
Eine feste Höchstdauer gibt es nicht. Ein Gast bleibt, solange die Hospizversorgung gebraucht wird und das ärztlich bestätigt ist.
Formal ist die Leistung laut Rahmenvereinbarung zunächst auf vier Wochen befristet. Braucht ein Gast die Hospizversorgung länger, wird die weitere Notwendigkeit ärztlich bestätigt und die Kasse entscheidet über die Verlängerung. Das ist ein Verwaltungsschritt, kein Auszugstermin.
Im Durchschnitt bleiben Gäste in Deutschland etwa drei Wochen, das zeigen die Zahlen des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands zur Verweildauer. Hinter diesem Mittelwert stehen sehr unterschiedliche Wege. Manche Menschen kommen erst sehr spät, andere leben viele Monate dort.
Und manchmal geht es wieder nach Hause. Stabilisiert sich der Zustand, etwa weil Schmerzen und Atemnot gut eingestellt sind, wird geprüft, ob eine Versorgung zu Hause wieder möglich ist. Ein ehemaliger Gast unseres Hauses hat es in einem Video so gesagt: „Ein Hospiz muss nicht immer die letzte Station sein.“
Gut zu wissen
Eine Verlängerung ändert an der Finanzierung nichts. Für den Gast entsteht bei uns weder ein Eigenanteil noch eine Zuzahlung, auch nicht bei einem langen Aufenthalt.
Helfen Sie jetzt mit
Die Kosten eines Hospizplatzes tragen zu 95 Prozent die Kranken- und Pflegekassen. Die übrigen 5 Prozent müssen wir über Spenden decken. Jeder Betrag hilft, unseren Gästen Momente der Nähe, der Ruhe und der Geborgenheit zu schenken.
Was Angehörige jetzt tun können
Sie können mehr tun, als es sich in diesem Moment anfühlt. Sprechen Sie das Thema früh an, mit dem kranken Menschen und mit dem Hausarzt. Die Aufnahme setzt den eigenen Wunsch voraus, und viele Betroffene sind erleichtert, wenn endlich jemand die Frage stellt.
In Angehörigenforen taucht immer wieder die Angst auf, man würde Vater oder Mutter ins Hospiz „abschieben“. Das Gegenteil ist der Fall. Sie bleiben an seiner Seite, und die Pflege, die zu Hause nicht mehr ging, liegt bei Pflegekräften, die meist eine Weiterbildung in Palliative Care haben. Bei uns in Schmelz gibt es außerdem ein Gästezimmer für Angehörige, damit Sie nachts nicht pendeln müssen.
Bis ein Platz frei ist, gibt es auch zu Hause Unterstützung. Ein ambulanter Hospizdienst schickt ohne Formalitäten qualifizierte Ehrenamtliche zur Sterbebegleitung nach Hause, ein Team der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung übernimmt auf ärztliche Verordnung die medizinische Seite. Wie Palliativversorgung zu Hause organisiert wird und wo ihre Grenzen liegen, lesen Sie in unserem Beitrag dazu.
Und sorgen Sie auch für sich. Wer monatelang gepflegt hat, ist oft am Ende seiner Kräfte. Dass es zu Hause nicht mehr geht, ist kein Versagen. Es ist genau die Lage, für die es stationäre Hospize gibt.
Kosten, Hospizformen und Ihr Kontakt zu uns
Für gesetzlich Versicherte ist der Aufenthalt im stationären Hospiz ohne Eigenanteil. 95 Prozent tragen Kranken- und Pflegekasse, die übrigen 5 Prozent decken wir über Spenden. Ausführlich erklären wir in einem eigenen Beitrag, wer die Kosten für den Aufenthalt trägt.
Ein stationäres Hospiz ist nicht die einzige Form der Begleitung am Lebensende. Ambulante Hospizdienste und Tageshospize sind für Menschen da, die zu Hause leben. In unserem Grundlagenbeitrag lesen Sie, welche Formen der Hospizarbeit es gibt.
Wenn Sie überlegen, ob es jetzt so weit ist, sprechen Sie mit Sarah Golden. Sie leitet bei uns die Pflege und verantwortet das Aufnahmemanagement. Sie erreichen sie unter 06887 / 900 76 20. Gemeinsam klären Sie, ob jetzt ein Hospizplatz sinnvoll ist und welche Unterlagen noch fehlen.
Häufige Fragen zur Hospiz-Aufnahme
Wer entscheidet, ob jemand ins Hospiz kommt?
Am Anfang steht der Wunsch des kranken Menschen selbst. Ärztlich wird mit der Notwendigkeitsbescheinigung bestätigt, dass die Kriterien erfüllt sind, und die Krankenkasse sagt die Kostenübernahme zu.
Wie lange vor dem Tod geht man ins Hospiz?
Aufgenommen wird, wessen Lebenserwartung ärztlich auf wenige Monate oder weniger geschätzt wird. Im Durchschnitt bleiben Gäste laut Deutschem Hospiz- und Palliativverband 22 Tage, viele kommen allerdings erst sehr spät.
Kann man aus dem Hospiz wieder nach Hause?
Ja. Stabilisiert sich der Zustand so weit, dass eine Versorgung zu Hause wieder möglich ist, kann ein Gast entlassen werden.
Was passiert, wenn kein Hospizplatz frei ist?
Dann bleibt die Anmeldung bestehen, und die Versorgung läuft so lange zu Hause oder auf einer Palliativstation weiter. Melden Sie sich früh an und fragen Sie in der Zwischenzeit nach einem ambulanten Hospizdienst oder einem Palliativteam.
Wie lange zahlt die Krankenkasse den Hospizaufenthalt?
So lange, wie die Hospizversorgung ärztlich bestätigt notwendig ist. Die erste Kostenzusage gilt nach der Vereinbarung der Kassen mit den Hospizverbänden zunächst für vier Wochen und kann verlängert werden, einen Eigenanteil zahlen gesetzlich Versicherte nicht.
Über den Herausgeber
Hospiz Christophorus
Stationäres Hospiz in Schmelz · gemeinnützig und privat geführt
Jeder Tag, jede Stunde unseres Lebens ist kostbar. In unserem Hospiz in Schmelz schaffen wir Raum für Nähe, Ruhe und Geborgenheit, für gute Gespräche, vertraute Gewohnheiten und die kleinen Freuden des Alltags. Pflegefachkräfte, Palliativmediziner und Ehrenamtliche sind für unsere Gäste und ihre Angehörigen da, damit jeder Tag so erlebt werden kann, wie es sich unsere Gäste wünschen. Mehr über uns
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